Elternzeit im Wohnmobil: Mehrere Wochen mit Baby unterwegs

Wenn junge Familien beschließen, einen Teil der Elternzeit gemeinsam zu nehmen und auf Reisen zu gehen, dann stellt sich neben der Frage des Ziels auch die nach dem Fortbewegungsmittel. Nicht unpraktisch ist ein Wohnmobil, denn das bietet dem Baby eine vertraute Umgebung unterwegs und den Eltern viel Platz fürs Gepäck sowie jede Menge Flexibiliät. Hier kommen die wichtigsten Tipps und Überlegungen zu Ferien mit dem Wohnmobil:

Der Zeitpunkt

Ein kleines Baby mit Schleifchen auf dem Kopf liegt in einem braunen Koffer und schaut über den Rand und knabbert dabei am Koffer.
Würde theoretisch reinpassen – sollte trotzdem lieber auf dem Schoß mitfliegen © dubova – stock.adobe.com

Die ersten drei Monate sind für eine längere Reise eher tabu – das neue Familienmitglied möchte erst einmal ankommen, und auch die Mutter braucht Erholung und Ruhe. Wenn der Start mit dem Säugling für alle toll läuft, kann man nach Rücksprache mit dem Kinderarzt natürlich auch schon früher zu dritt die Welt entdecken. Ab einem Alter von einem Vierteljahr ist eine Reise aber im Allgemeinen gut möglich, den perfekten Zeitpunkt müsst ihr wählen. Überlegungen können sein: Ein jüngeres Kind schläft im Idealfall mehr und krabbelt noch nicht – es braucht unterwegs weniger Beschäftigung und vor allem weniger Platz zum Toben. In jedem Fall praktisch: Im Wohnmobil bleibt die Schlafsituation für das Kind gleich. Babys die schon krabbeln oder laufen, haben allerdings nicht so viel Bewegungsmöglichkeiten in einem Auto, selbst wenn es ein Wohnmobil ist.

Welches Wohnmobil passt?

Zeichnungen von den verschiedenen Wohnmobil-Arten. Von kleinen Wohnanhängern, über ein Auto mit Dachzelt und Wohnwagen-Aufsätzen bis zu großen Wohnmobilen mit Alkoven (Schlafplatz über dem Fahrerhäuschen).
Wohnwagen, Wohnmobil oder doch nur ein Dachzelt? Keine leichte Entscheidung © Zag – stock.adobe.com

Die Grundrisse und Größen von Wohnmobilen sind extrem unterschiedlich. Kleine Womos sind wendiger und passen auf die meisten PKW-Parkplätze, größere bieten mehr Raum und Luxus, dafür ist man mit ihnen im Straßenverkehr und auf dem Campingplatz weniger flexibel. Fragt euch vor allem, wo das Baby gut schlafen kann. Wenn das Kind bei euch im Bett liegt, sollte dieses breit und möglichst längs zur Fahrtrichtung installiert sein, damit keiner nachts über das Baby drüber krabbeln muss. Ein Bett über dem Fahrerhaus ist mit Kleinkind unpraktisch, kann sich aber anbieten, wenn ihr mit mehreren Kindern reist.

Wie sichert ihr das Kind vor dem Herausfallen aus dem Bett? Weitere wichtige Fragen: Passt der Sicherheitssitz auf die Rückbank – kann ein Elternteil daneben noch bequem sitzen, um während der Fahrt beim Nachwuchs zu sein? Lässt sich der Airbag vorn abschalten? Interessant ist auch die Frage, ob und wie Fahrräder transportiert werden können. Selbst wenn mit dem Baby keine Radtouren geplant sind, kann es sehr praktisch sein, ein Fahrrad dabei zu haben, damit ein Elternteil einkaufen fahren oder auch Ausflüge machen kann, während der andere im Wohnmobil bleibt.

Was muss mitgenommen werden?

Ein blauer Rucksack liegt auf dem Boden, drumherum verteilt sind Babyklamotten, Spielsachen und wichtige Utensilien wie Ersatzschnuller und Babypuder
Alles dabei – im Handgepäck warten Wechselklamotten und Ersatzschnuller auf ihren Einsatz © New Africa – stock.adobe.com

Mit Baby verdreifacht sich das Reisegepäck? Mitnichten, denn vieles, was ihr im Alltag benützt, ist gar nicht so wichtig. Statt der Wickelkommode reicht auch das Bett, Windeln können vor Ort nachgekauft werden. Wird das Baby noch gestillt, gestaltet es sich noch einfacher, denn dann fallen Teller und Löffel, Brei und Fläschchen weg.
Geht die Reise ins Ausland, müsst ihr einen Kinderreisepass (mit Passbild!) beantragen. Eintragungen im Ausweis der Eltern sind nicht mehr gültig. Der Pass ist nach Neubeantragung sechs Jahre lang gültig und kann somit auch noch für die nächsten Urlaube genutzt werden. Er ist nach Ablauf noch einmal um weitere sechs Jahre verlängerbar. Ansonsten sind die folgenden Sachen wichtig:

  • Kindersitz bzw. Babyschale für die Fahrt – unbedingt vorher testen, ob sie sich im Wohnmobil gut installieren lässt. Manchmal muss der Tisch hierfür abgebaut oder heruntergestellt werden
  • Kinderwagen, dazu Babytrage oder ein Tragetuch und eventuell eine Kraxe
  • Reiseapotheke mit Fiebermittel, Pflaster, Fieberthermometer, Nasentropfen, Wund- und Heilsalbe, Pinzette und Mittel gegen Insektenstiche
  • Mückenschutz und evtl. Moskitonetz
  • Sonnenschutzcreme mit mind. LSF 30, besser 50, Sonnenhut
  • Windeln und Hygieneartikel
  • Wechselbekleidung in ausreichender Menge
  • Spielzeug, Bücher, Kuscheltiere etc. sowie eine Liege- bzw. Krabbeldecke

Es hat sich bewährt, tatsächlich eine Checkliste zu verfassen, die lange genug im Voraus erstellt und immer wieder ergänzt wird. Während der Reisevorbereitungen könnt ihr die Punkte dann einfach abhaken – und unterwegs fürs nächste Mal noch mit weiteren Punkten ergänzen. Ganz wichtig ist auch die Telefonnummer des Kinderarztes zu Hause, falls es im medizinischen Notfall Rückfragen geben sollte.

Darauf sollten Eltern beim Urlaub in der Elternzeit achten

Ein kleines Kind sitzt auf den Schultern seines Vaters. Beide blicken auf das Meer Richtung Sonnenuntergang.
Sicher aufgehoben – auf Papas Schultern sieht die Welt schon ganz anders aus © JenkoAtaman – stock.adobe.com

Auch wenn Babys noch viel schlafen, sollten ihr es doch nicht übertreiben: Allzu lange Etappen sind nicht die beste Idee! Zwei bis drei Stunden Fahrzeit genügen, so bleibt noch genügend Zeit für Aktivitäten mit dem Baby.
Klettertouren oder lange Wanderstrecken in der Sonne sind mit Baby tabu. Achtet zudem darauf, dass ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind, wenn das Kleine Ruhe braucht.

Schon bei der Vorbereitung der Wohnmobilreise gilt es, einiges zu beachten. Wenn etwa für das Zielland bestimmte Schutzimpfungen empfohlen werden, solltet ihr rechtzeitig mit dem Kinderarzt darüber sprechen. Zur Vorbereitung gehört auch, die Ausrüstung zu Hause zu testen. Das Baby kann ruhig schon einige Male in der neuen Kraxe getragen werden, bevor die Reise losgeht.

Idealerweise ist nicht gerade Hochsommer, wenn ihr in den Wohnmobilurlaub startet. Denn viele Kinder vertragen die Hitze nicht gut. Besser, ihr brecht im Frühling oder Herbst bzw. außerhalb der Saison im Zielland auf. Andererseits kann es mit einem Kleinkind, dass schon mobil ist, sinnvoll sein, in der warmen Jahreszeit unterwegs zu sein, damit das Kind vor dem Wohnmobil spielen kann.

Wohin soll die Reise gehen?

Sommer, das Gras ist saftig grün, die Sonne strahlt bereits. An dem ruhigen See haben fünf Wohnwagen ihr Lager aufgeschlagen.
Mitten im Grünen schlafen und nach dem Aufwachen eine Runde Schwimmen © alicja neumiler – stock.adobe.com

Als Faustregel gilt, dass das Ziel nicht allzu weit entfernt liegen sollte, wenn ihr als Familie noch nicht so eingespielt seid und wenn es die erste Fahrt mit einem Wohnmobil ist. Dann bieten sich die Nord- oder die Ostsee an, bei ausreichend Zeit auch Reisen ins europäische Ausland. Wer es im Winter in Europa warm und exotisch haben möchte, für den bieten sich eventuell die Kanaren an. Es darf weiter weg sein? Neuseeland und die USA sind zwar teure Ziele, aber natürlich sehr spannend, wenn man viel Zeit hat. Neuseeland gilt als vorteilhafter als Australien, weil dort keine giftigen Tiere unterwegs sind, die dem Baby gefährlich werden könnten. Dennoch sollte immer eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen werden, damit die medizinische Versorgung sichergestellt ist. Klären solltet ihr auch die Frage des Rücktransports im Notfall.

Was kostet Wohnmobil-Urlaub?

Wohnmobilurlaub ist nicht zwingend besonders günstig, täglich solltet ihr in Europa ganz grob zwischen 70 und 150 Euro für Auto und Übernachtung kalkulieren, je nach Wohnmobilmiete und Campingplatz. Hinzu kommen Spritkosten, Eintrittsgelder und Verpflegung sowie eventuell ein Flug zum Urlaubsziel.

Titelbild: An den schönsten Spots übernachten – mit dem Wohnmobil hat man seinen Schlafplatz immer dabei © Willian Justen de Vasconcellos – unsplash.com