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Es gibt kaum ein Land, das derart eng mit großem Kino verbunden ist wie Neuseeland mit dem „Herr der Ringe“- und dem „Hobbit“-Universum.

Autor Stefan Nink hat sich neben den Drehorten noch weit mehr epische Landschaften angeschaut, die gar nicht im Film vorkommen – und klärt dabei gleich die Frage, ob Mittelerde wie Neuseeland aussieht. Oder doch eher Neuseeland wie Mittelerde…

Möglicherweise hat es ja mit der Brille zu tun. Er nimmt sie nie ab. Er hat sie immer auf. Selbst jetzt, beim gemeinsamen Frühstück in Queenstown. Draußen dräuen unheilvolle Wolken über dem Lake Wakatipu, hier drinnen ist es sowieso schummrig, die schwarze Sonnenbrille bleibt trotzdem, wo sie ist. Jetzt sag doch mal, Dave, ganz ehrlich: Liegt es an ihr? Ist das eine – Zauberbrille? Hast Du mit ihrer Hilfe all diese tollen Orte und Plätze gefunden? Na? Dave tut so, als habe er die Frage nicht gehört. Stattdessen nimmt er sich eine Serviette vom Tisch. Dann putzt er mit ihr seine Brille.

Jetzt reden sie ja seit Wochen wieder alle von den üblichen Verdächtigen: von den „Hobbit“-Hauptdarstellern und den Maskenbildnern und den Leuten, die für die Spezialeffekte sorgen. Von den Filmmusikkomponisten und natürlich von Peter Jackson, dem Regisseur, und wie viele Oskars es denn dieses Mal wohl geben wird. Von Dave redet niemand. Es würde ihn auch niemand erkennen. Dabei war er schon bei der „Herr der Ringe“-Trilogie ungeheuer wichtig, und die drei Hobbit-Filme sähen ohne ihn auch anders aus. Dave Comer hat die Drehorte für sämtliche sechs Mittelerde-Epen ausgesucht. Der location scout ist der Mann, der Neuseelands epische Landschaften auf die Leinwände der Welt holte. Und das Land damit möglicherweise mehr verändert hat als die meisten Menschen vor ihm.[/vc_column_text][vc_empty_space][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]

Kann gut sein, dass man ein „nach rechts, und dann immer Richtung Mordor“ hört, wenn man nach dem Weg fragt

Bevor wir damit weiter machen, erst einmal das hier: Es sieht hier wirklich so aus wie im Film. Oder, anders gesagt: Neuseeland sieht aus wie Mittelerde (möglicherweise sieht auch Mittelerde so aus wie Neuseeland, darüber könnte man lange grübeln). Man muss bloß ein paar Tage mit den Filmbildern im Kopf herum fahren, um das alles wieder zu erkennen, die Schneekoppenberge, die Wasserfälle, die endlosen Ebenen, alles. Die „Herr der Ringe“-Trilogie wurde an mehr als 150 Schauplätzen gedreht, also quasi flächendeckend, und für die drei Teile von „Der Hobbit“ sind jetzt noch einmal etwa fünfzig hinzu gekommen – da wundert es nicht, dass einem das alles bekannt vorkommt. Manchmal ist dieses Gefühl so überwältigend, dass es wie eine Art Déjà-vu daherkommt. Als ob man das alles nicht nur bereits im Kino gesehen hätte, sondern selbst schon einmal hier gewesen wäre. Irgendwann, vor langer, langer Zeit.

Genau deswegen zockelt man bei einer Reise durch Aotearoa auch permanent seinem Zeitplan hinterher

Man kann in diesem Land nämlich keine zehn Minuten unterwegs sein, ohne anhalten zu müssen. Dann muss man aussteigen und herumlaufen und fotografieren, und dann steigt man wieder ein, und fünf, sechs Minuten später wieder aus – das geht ständig so. Bei der Fahrt über die Mitte der Südinsel zum Beispiel, auf deren strohfarbenen Ebenen sie das Reiterreich Rohan gefilmt haben, mit den weißen Zackenkronen der neuseeländischen Alpen am Horizont. Im Tongariro National Park, dem „Lande Mordor, wo die Schatten droh’n“, mit seinen mächtigen Vulkanen. Und bei Paradise(!) nördlich von Queenstown, wo man auf Schotterwegen durch eine Landschaft rumpelt, die deshalb so aussieht wie das „Herr der Ringe“-Lothlórien, weil sie das „Herr der Ringe“-Lothlórien ist.[/vc_column_text][vc_empty_space][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“5810″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_empty_space][vc_single_image image=“5811″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_empty_space][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_single_image image=“5812″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_empty_space][vc_column_text]

„Die richtig guten Ecken kommen doch im Film überhaupt nicht vor“

Und so, wie man staunend und schweigend im Kinosessel sitzt, während die Kamera Neuseelands grandiose Landschaften aus der Vogelperspektive zeigt, so lässt Mittelerdes optische Grandezza einen auch im Mietwagen irgendwann ganz still werden: Reizüberflutung. Zuerst hört man auf, sich zu unterhalten. Dann stellt man die Musik ab, weil man einfach zu beschäftigt ist mit den Bildern, die da hinter jeder Kurve auftauchen, als sei man in einer flächendeckenden Requisitenkammer für Landschaften und Horizonte unterwegs. Für die drei neuen Hobbitfilme hat Peter Jackson unter anderem am Lake Taupo gedreht und an den Huka Falls ganz in der Nähe. Nelsons Regenwälder an der Nordküste der Südinsel sind in den „Hobbit“-Folgen zu sehen und die Kalksteinlandschaften bei Waitomo (vor allem die unter der Erde, wo Glühwürmchen große Höhlen illuminieren). Etliche Drehorte lagen in freundlicher Feierabendbier-Entfernung zu Wellington, „the coolest little film-making capital in the world”. Und natürlich rückte der Produktionstross auch wieder im Norden der Nordinsel an, in Matamata, einem von diesen ungefähr 350 kleinen, typisch neuseeländischen „Sehr-hübsch-aber-wir-müssen-weiter“-Orten, die sich in die Kuhlen des immergrünen Hügellandes geschmiegt haben. Hier liegt seit Beginn der Ring-Dreharbeiten die Heimat der Hobbits, das beschauliche Hobbiton. Beziehungsweise, für alle deutschen Fans: Beutelsend.[/vc_column_text][vc_empty_space][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

Und wer hat dieses abgelegene Stück Neuseeland damals gefunden?

Genau. Dave Comer hat die Brille noch immer auf. Man weiß nie, ob er einen gerade anschaut. Oder ob sein Blick an einem vorbei durchs Fenster nach draußen geht, wo er soeben möglicherweise eine neue Location ausgemacht hat. Das muss doch ganz schön schwierig gewesen sein, Ende der Neunziger, als noch niemand wusste, wie dieses Mittelerde aussehen sollte, oder? Überhaupt nicht, sagt er. Schon beim ersten Lesen des Drehbuchs seien die meisten geografischen Koordinaten klar gewesen. Er schnippt mit den Fingern. Das Auenland der Hobbits? Konnte nur am Fuße der dicht bewaldeten Kaimai Ranges gedreht werden. Schnipp. Mount Doom, der Vulkan in Mordor? Musste im Tongariro Nationalpark sein. Schnipp. Rivendell, die Elbenstadt? Hat er in einem Park ein paar Minuten außerhalb Wellingtons angesiedelt, genau wie die Zaubererfeste Isengard, „wir mussten ja auch auf die Schauspieler Rücksicht nehmen, die wollten abends auch mal Nightlife.“ Schnipp.[/vc_column_text][vc_empty_space][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/2″][vc_single_image image=“5809″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_empty_space][vc_single_image image=“5814″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_empty_space][vc_single_image image=“5815″ img_size=“full“ add_caption=“yes“][vc_empty_space][/vc_column][vc_column width=“1/2″][vc_column_text]Comer ist von Haus aus Naturfotograf. Er denke in Landschaftsbildern, sagt er, „das war hilfreich bei einem Film, in dem die Szenerie die Hauptrolle spielen sollte.“ Und als dann alle nach Neuseeland kamen, weil er sie mit diesen endlosen Weiten und den verwunschenen Wäldern geködert hatte – wie fühlte er sich da? Dave wird ein bisschen verlegen. Sagt, dass viele Landschaften ja später am Computer verändert worden seien – und eigentlich überhaupt nicht existierten. Das stimmt natürlich. Aber dass bei einer Einstellung nachträglich zwei kleine Gipfel in die reale Bergkette montiert wurden oder eine zusätzliche Gruppe Bäume, fällt dem Touristen nun wirklich nicht auf. Fakt ist: Für jeden, der im Kino war und dann nach Neuseeland kommt, sieht Neuseeland aus wie Mittelerde. Und das ist – trotz 2,8 Milliarden US-Dollar allein an den Kinokassen – der vielleicht folgenreichste Aspekt der Filme.

Diese Ähnlichkeit hat dem Land in den vergangenen Jahren nämlich Millionen Besucher gebracht.

Seit der erste Film an den Start ging, sind Fans des Fantasy-Spektakels angereist, um auf den Spuren der Hobbits, Orks und Elben durchs Land zu pilgern (selbst 2012 gaben noch sechs Prozent aller Neuseelandbesucher an, „Der Herr der Ringe“ sei der Hauptgrund für ihre Reise). Eine Armada aus Reisebussen, Helikoptern, Landrovern und Sightseeing-Flugzeugen transportiert Hobbitfans von Drehort zu Drehort. Detaillierte Fachliteratur lotst sie per GPS-Koordinaten zu Drehorten in den entlegensten Winkeln. Pedikürläden offerieren Linderung bei „Hobbitfüßen vom Herumlaufen in Mittelerde“. Es gibt original Hobbit-Sandwichs, original Mittelerde-Tarnmäntel und – in Nelson auf der Südinsel – sogar den originalen Ringschmied. Der hat DEN Ring geschmiedet. In mehreren Größen.[/vc_column_text][vc_empty_space][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]

100% Middle-earth, 100% Pure New Zealand

Doch, das stimmt schon: In der Geschichte des Film hat sich kein anderes Land so sehr mit einem imaginären Schauplatz identifiziert wie Neuseeland mit Mittelerde – der aktuelle Slogan „100% Middle-earth, 100% Pure New Zealand“ passt wie der Deckel aufs Töpfchen beziehungsweise der Ring an den Finger. Air New Zealand hat seine Flotte mit Hobbit-Motiven umgespritzt und zeigt Sicherheitsvideos mit Zwergen als Passagieren und Elben als Besatzungsmitgliedern. Auf den Straßenkarten, die im Mietwagen liegen, sind die Drehorte so selbstverständlich eingetragen wie reale Orte. Kann gut sein, dass man ein „nach rechts, und dann immer Richtung Mordor“ hört, wenn man nach dem Weg fragt. Und weil mehrere tausend Neuseeländer als Statisten bei den Dreharbeiten dabei waren, können Filmfans überall mit Barkeepern, Gemüsehändlern oder Busfahrern über ihre Dreitages-Erfahrung als Ork reden (besonders gut geht das in Twizel auf der Südinsel, wo die „Schlacht auf den Feldern von Pellenor“ gedreht wurde und sämtliche 200 Einwohner als Statisten dabei waren). Und wenn man dann am Ende auch noch unbedingt zu Orten möchte, die fernab von allem liegen, finden sich Hubschrauberunternehmen, die Filmfans auch dorthin bringen, inklusive Picknick an genau jener Stelle, an der im Film… Umweltschützer haben übrigens davor gewarnt, der Rummel könne irgendwann außer Kontrolle geraten. Und dass man aufpassen müsse. Immerhin seien nicht die Hobbits, sondern die unberührte Natur der eigentliche unique selling point Neuseelands.

Comer weiß das natürlich. Er hat viele der Drehorte in den vergangenen Jahren noch einmal besucht: „Man kann uns wirklich nicht vorwerfen, wir hätten dort irgendetwas verändert. Und ich hoffe, dass der Touristenboom das auch nicht tun wird.“ Und wenn doch? Dann tröstet sich Dave Comer damit, dass er nur einen Bruchteil der Schönheit Neuseelands preisgegeben hat: „Die richtig guten Ecken kommen doch im Film überhaupt nicht vor.“ Die kann man dann während seiner Neuseelandreise entdecken. Und man braucht dazu noch nicht einmal Daves dunkle Brille.[/vc_column_text][vc_empty_space][eltdf_custom_font font_family=“Open Sans“ font_size=“12″ font_style=“normal“ font_weight=“100″ text_transform=“None“ content_custom_font=“Titelbild: Hobbingen © Ian Brodie/newzealand.com“][/vc_column][/vc_row]